
Die Bindalm ist von Anfang Juni bis Ende September bewirtschaftet. Sie liegt am Hirschbichl in der Ramsau und ist in eineinhalb Stunden Fußmarsch vom Hintersee aus über die Engert' Holzstube erreichbar. Im Sommer fährt der Wanderbus der RVO mehrmals täglich über den Hirschbichl in Richtung Lofer.
Harte Arbeit, höchstes Glück: Der Almsommer
Im Juni, wenn die Sonne den Schnee besiegt hat geht's im Berchtesgadener Land für viele Sennerinnen und Senner hoch hinauf. Der lange Sommer auf der Alm erscheint romantisch und unbeschwert.
Ein Klischee, das Sennerin Marianne Schmuck nicht nachvollziehen kann. "Es ist wirklich harte Arbeit und nicht immer lustig. Ich mach' das für meine Familie und die Kühe", erzählt die Sennerin der Bindalm. Jeden Tag ist Marianne Schmuck im Stall bei den Tieren, das ganze Jahr. Wenn sie im Sommer auf der Alm frühmorgens aufsteht, stehen die Kühe und Kälber schon vor der Hütte und warten darauf, gemolken zu werden.
30 Jahre Sennerin auf der Bindalm
Im Jahr 1954, mit gerade mal 19 Jahren, verbrachte Marianne ihren ersten Almsommer als "Sennin", wie sie es nennt, auf der "Bind": "Das war hart, vor allem am Anfang. Wir hatten noch viel mehr Kühe oben und man musste alles mit der Hand machen: melken, buttern, alles. Es gab keinen Strom und kein Licht im Kaser."
Drei Sommer war das tüchtige Mädel aus Maria Gern für die Kühe und Kälber des Bauern vom Kressenlehen in Bischofswiesen verantwortlich, bis sie den jungen Bauern heiratete und selbst Bäuerin wurde.
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Info:
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Der Almtag ist lang
Die Milchkannen sind schwer, die Arbeit ist anstrengend. Um vier Uhr steht Marianne Schmuck auf. Dann heißt es einheizen, melken, abwaschen und aufräumen.
Gegen halb acht kann sie das erste Mal durchatmen: "Dann gibt's a Frühstück mit der Nachbarin. Es is' schön, eine Nachbarin im Kaser daneben zu haben", meint Marianne Schmuck. "Wenn was passiert, dann ist wichtig, dass noch jemand da ist."
Die Milch verarbeitet Marianne Schmuck täglich frisch. Sie erzählt: "Ich mach' jeden Tag an frischen Topfen, der wird gewürzt und mit Schnittlauch angemacht. Aufs Butterbrot is' des was guats." Gemolken wird zweimal, einmal am Tag verarbeitet sie die Milch auch zu Butter.
Deftiger Almgenuss
Wanderer verköstigt die Sennerin mit Käse- und Speckbroten, Milch, Buttermilch, Bier, Radler und Limo. Sie ist stolz: "Den selbst g'machten Kas, den gibt's nur auf der Alm. Wir machen einen süßen Butterkas und den würzigen Schüsselkas."
Wenn am Abend noch Mountainbiker einkehren, dann stell' ich ihnen oft noch ein Radler hin und geh' schlafen. Die verstehen das. Ich bin ja auch schon 70 Jahre alt und da ist der Tag auf der Alm anstrengend."
Ab dem 24. August, dem
Bartholomäus-Tag, wird alles für den Almabtrieb vorbereitet. Die "Fuikln" als Kopfschmuck für die Kühe und die Latschenbüsche für die
Kälber werden handgefertigt. Die Sennerin erzählt: "Bei uns macht die
Fuikln mein Schwiegersohn Michael unten am Hof. Das ist grausig viel
Arbeit. Er sitzt da nächtelang. Die Latschn'boschn mache ich oben auf
der Alm selbst."
Für eine Fuikl aus einem Tannengipfel mit vier
zusammen gebundenen Kränzen, geschmückt mit bunten Sternen aus
Holzspänen rechnet Michael Lichtmannegger mit 25 bis 30 Arbeitsstunden.
Ist sie fertig, kann der große Tag kommen. Das Vieh darf allerdings zum
Almabtrieb nur dann festlich geschmückt werden, wenn kein "Unreim",
also kein Unglück, geschehen ist.
Auch für Marianne ist es das Schönste
auf der Alm, wenn kein Tier abstürzt oder krank wird: "Man ist jeden
Tag froh, wenn alle Viecher wieder gut zurück kommen." Sie hat eine
besondere Beziehung zu ihren Tieren: "Wenn ma' sagt, 'du dumme Kuh',
dann is des a ganz falscher Ausdruck. Die Viecha sind g'scheid und
sensibel."
Sonntag, 06. Juli 2008