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Kirchen

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Kirchweih im Berchtesgadener Land

Bartholomä-Kirchweih

Bartholomä-Kirchweih

Zwei Wochen nach dem Erntedankfest, am dritten Oktobersonntag, wird Kirchweih gefeiert. Das war nicht immer so. Jedes Dorf feierte seine eigene Kirchweih, entweder am tatsächlichen Jahrtag der Kirchenweihe oder am Namenstag des Heiligen, dem die Kirche geweiht war.

Der "Kirta", wie man in Ober- und Niederbayern dazu sagt, beschränkte sich nicht auf einen Tag. Er begann am Donnerstag oder Freitag und war am Kirchweihmontag noch lange nicht zu Ende.

Ein alter Spruch, mit dem Bayern gern die Dialektkenntnisse von "Zuagroasten" testen, drückt diesen Tatbestand aus: "A gscheida Kirta dauat bis zum Irta - und es kunnt se schicka, a diam bis zun Migga." Genau: "Eine richtige Kirchweih dauert bis zum Dienstag. Es kann aber auch vorkommen, dass sie sich manchmal bis zum Mittwoch ausdehnt" - das wäre die korrekte Übersetzung.

Nicht allein dies war der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Selbstverständlich gehörte es zum guten Brauch, auch die Kirchweih des Nachbardorfs in der nächsten Woche mitzufeiern,  und so weiter … 1866 war dann in Bayern Schluss mit lustig. Die Dorfkirchweih wurde abgeschafft, die "Allerweltskirchweih" - wie sie der Volksmund verächtlich nannte - eingeführt.

Wussten Sie schon?

Und die Kirtagans?

Am besten hält man sich auch hier an Bewährtes. Man nehme ein frisches Bauernganserl, fülle es mit Äpfeln, Zwiebeln und Majoran, brate es zweieinhalb Stunden und beschöpfe es fleißig mit dem eigenen Fett. Dann kann eigentlich nichts schief gehen.

Box Wussten Sie schon unten
Den Kirchweihmontag ließ sich die bäuerliche Bevölkerung allerdings nicht nehmen. An ihm wurde die"„Kirtahutschn" in der Scheune aufgestellt - ein dickes, langes Brett, das man an zwei Ketten unterm Dachfirst aufhängte. Darauf setzten sich die Mädchen, und die Burschen schubsten die Hutschn solange an, bis die Röcke flogen, sich der Magen umdrehte, und die Mädchen um Gnade flehten.

Die Kirtahutschn ist die Urform all der Fahrgeschäfte, die heute auf Volksfesten wohligen Schauder erzeugen. Auch zwei kulinarische Institutionen gehören unbedingt zur Kirchweih: die Kirtanudeln und das Kirtaganserl. Die gebräuchlichsten Kirchweihnudeln sind die "Auszog'nen", auch "Knienudeln" genannt.

Ein weicher Hefeteig wird dazu kreisrund ausgezogen, bis er innen hauchdünn ist und außen ein dickerer Rand bleibt. Man kann das ganz gut auch über dem Knie machen. Im heißen Schmalz geht der Rand auf und färbt sich goldbraun, der dünne Fleck in der Mitte bleibt weiß.



Zachäus

Am Kirchweih-Sonntag flattert auf dem Kirchturm eine rote oder gelbe Fahne mit weißem Kreuz. Gelb ist die Kirchenfarbe, Rot symbolisiert die Auferstehung Christi. Im Volksmund wird diese Fahne "Zachäus" genannt.

Der Name kommt vom Zöllner Zachäus, von dem im Festevangelium die Rede ist. Er stieg auf einen Maulbeerbaum, um Jesus besser sehen zu können. Der Gottessohn rief ihn herunter und ließ sich in sein Haus führen. Als die Jünger murrten: "Bei einem Sünder kehrt er ein", erwiderte Jesus: "Auch er ist ein Sohn Abrahams".


Donnerstag, 20. November 2008

Alte Saline