Der bayerische Rupertiwinkel
Der Name "Rupertiwinkel" geht auf den heiligen Rupertus zurück, den ersten Bischof (690 bis 710) von Salzburg, dem Bayernherzog Theodo freistellte, sich in seinem Herrschaftsbereich einen beliebigen Ort zur Errichtung eines Bischofssitzes auszusuchen; Rupertus entschied sich für das völlig zerstörte Juvavum/Salzburg. Gemeinsam mit dem Reichenhaller Talkessel hat der bayerische Rupertiwinkel die frühgeschichtliche Vergangenheit. Mit Funden aus der jüngeren Steinzeit (etwa 2500 bis 2000 v. Chr. auf dem Högl in der Gemeinde Ainring) und der Bronzezeit (1200 v. Chr.). Die Besiedlung durch die Kelten dürfte mit der Reichenhaller Salzgewinnung in engem Zusammenhang stehen. Da die Kelten Flussschifffahrt betrieben, ist anzunehmen, dass Reichenhaller Salz schon damals auf der Salzach befördert wurde.
Begehrter Teil des Salzburger Territorialstaates
Um 1200 gewinnen die Salzburger Bischöfe an Macht. Zur geistlichen kommt die weltliche Herrschaft. Vom Kaiser mit immer mehr Hoheitsrechten ausgestattet, wird das Erzbistum Salzburg zu einem eigenständigen, nur dem Kaiser unterstellten Staat zwischen Bayern und Österreich. Mit dem einstigen keltischen Juvavum als Metropole mit großer kultureller Ausstrahlung, die den Rupertiwinkel mit einbezieht. Er wiederum ist von den Salzburger Erzbischöfen begehrter Teil dieses Territorialstaates, nicht zuletzt wegen der Salzachwasserstraße.
Fast 600 Jahre teilte der Rupertiwinkel die Geschichte und Geschicke des Erzstiftes Salzburg: die Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser im 12. und 13. Jahrhundert, die Grenzstreitigkeiten um Reichenhall und die Reichenhaller Salzquellen mit den bayerischen Herzögen im 14. Jahrhundert, aber auch die lange Friedenszeit von 1400 bis 1800. Während bei den österreichischen und bayerischen Nachbarn doch recht häufig Kriegsgeschrei erklang und Unruhe durch die vielen Zwistigkeiten ins Land kam, konnten die von Salzburg regierten Rupertiwinkler ungestört ihrem Tagwerk nach¬gehen. Einzige feindliche Invasion war die des Bayernherzogs Maximilian I. gegen den Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Weder die Wirren des Drei¬ßig¬jährigen Krieges noch die Auswirkungen der Reformation bekam der Rupertiwinkel zu spüren. Lediglich die Pest machte nicht vor den Landesgrenzen halt. Besonders viele Opfer forderte sie in Anger.
|
Das Ende der goldenen Friedenszeit
In dieser goldenen Friedenszeit entstanden Kirchen (fast alle Kirchen des Rupertiwinkels sind spätgotische Bauten aus dem 15. Jahrhundert, die später eine Barockausstattung bekamen), alte Burgen wurden zu Schlössern ausgebaut, und in den Städten zeugten stattliche Bürgerhäuser vom Gedeihen dieser Gemeinwesen. Doch im 19. Jahrhundert sparten die politischen Unruhen den Rupertiwinkel, der wie die Schweiz den Frieden abonniert zu haben schien, nicht aus. Die Österreichischen Erbfolgekriege und die Napoleonischen Kriege machten ihn zum Kriegsschauplatz. Die französischen Truppen drangen nach ihren siegreichen Schlachten in Süddeutschland über Salzburg nach Österreich vor, wobei es an der Saalach-Salzach-Linie fast immer zu schweren Kämpfen kam. Ausschreitungen und Plünderungen gehörten zur Tagesordnung. Unbeständigkeit und Unruhe der Politik jener Zeit spiegeln sich sichtbar wider im Wechsel der Staatsangehörigkeiten, denen der Rupertiwinkel unterworfen war. 1803 wird das geistliche Fürstentum Salzburg aufgehoben. An seine Stelle tritt ein geistliches Kur- fürstentum, das Herzog Ferdinand von Toskana, ein Habsburger Kaisersohn, als Entschädigung für sein verlorenes italienisches Herrschaftsgebiet bekam. 1805: Auflösung des Kurfürstentums Salzburg, das 1810 bayerisch wird. 1816 schließlich, nach dem Sturz Napoleons, folgt die letzte und endgültige Änderung der Landesgrenze: Das Salzburger Land wird geteilt mit der Saalach-Salzach-Linie von Piding bis Tittmoning (und Burghausen) als Landesgrenze zwischen Bayern und Österreich.
Laufen - Hauptort des Rupertiwinkels
Laufen war jahrhundertelang der Hauptort des Rupertiwinkels - wie schon der Name „Laufen" sagt, an einer Stromschnelle gelegen. Von Salzburg kommend, stößt die Salzach an ein aufsteigendes Hügelgelände und wird erst in südliche und dann in westliche Richtung abgelenkt. Wahrscheinlich befand sich hier schon in vorgeschichtlicher Zeit eine Siedlung von Schiffern. Da die Salzachschleife das Flussbett gefährlich einengt, mussten die Schiffe umladen. Laufen war damit erste Station auf der Wasserstraße Saalach-Salzach-Inn-Donau. Urkundlich taucht Laufen erstmals 740 in Zusammenhang mit Besitzveränderungen auf. 780 erwarb Bischof Virgil von Salzburg das „castellum ad louffi" (loufe = Stromschnelle) als Kirchengut. Es kann angenommen werden, dass es sich um eine römische Anlage handelte, deren Reste erhalten blieben. Um 1040 wird Laufen als „urbs", also als stadtähnliche Siedlung bezeichnet. Die Bedeutung seiner mittelalterlichen Urbanität beweist, dass 1129 und 1195 in Laufen Salzburger Provinzialkonzile stattfanden. 1170 und 1180 hielten hier die Grafen von Plain Gerichtstag. Zweifellos ein Höhepunkt: 1166 der Hoftag Kaiser Barbarossas, der in Schloss Laufen übernachtet haben soll.
Nach dem Aussterben der in Laufen begüterten Grafen von Lebenau, die als Vögte des Salzburger Domkapitels eingesetzt waren, kam Laufen an die Wittelsbacher. Der damit fällige Streit zwischen Salzburg und Bayern blieb nicht aus. 1254 wurden durch den Vertrag von Eharting Grafschaft und Stadt Laufen wieder salzburgisch und Laufen nach Salzburg die größte und bedeutendste Stadt des Erzbistums. Das Salz aus Dürrnberg und Reichenhall wurde hier auf salzburgisch-erzbischöfliche Schiffe umgeladen. Sie fuhren flussaufwärts bis Salzburg und Hallein, flussabwärts bis Passau und zuweilen bis Linz und Wien.
Die Laufener Schiffsherren wurden reich und mächtig. Schon im 13. Jahrhundert entwickelte sich ein Patriziat mit genau abgestuften Schifferberufen, die in der Schiffergilde zusammengefasst waren. Die „Ausfergen" betrieben die Schifffahrt von Hallein bis Laufen, die „Naufergen" die Schifffahrt flussabwärts von Laufen bis Passau. Zu den Schiffsleuten wiederum gehörten: Schiffsknechte, Auszahler, Helfers¬knechte, Plättenführer und viele andere mehr. Da die Schifffahrt nur in den Sommermonaten betrieben werden konnte, zogen die Laufener Schiffer im Winter als Musikanten und Schauspieler über Land. Das Laufener Schiffertheater erfreute sich großer Beliebtheit. Laufen war auch jahrhundertelang Sitz des Schiffergerichts. Ab 1626 besaßen die Salzburger Schiffsherren das ausschließliche Monopol; zum Salztransport durften nur ihre Schiffe benutzt werden.
Neben dem Salz waren lange Zeit der Torfabbau, u. a. im Schönramer und Kulbinger Filz, und der Eisenbergbau in Achthal von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Von der Wohlhabenheit des Ortes zeugt die erste gotische Hallenkirche Süddeutschlands, deren Bau um 1330 anzusetzen ist (sehenswert: das große Rupertus-Altarbild von Johann Michael Rottmayr aus dem Jahre 1691, einem der größten süddeutschen Barockmaler). Von der einstigen Wohlhabenheit sprechen auch die stattlichen Bürgerhäuser im Inn-Salzach-Stil, einer Bauweise, die es sonst nirgendwo nördlich der Alpen gibt außer in den Städten an Inn und Salzach, die durch die Salzschifffahrt eng miteinander verbunden waren. Das für deutsche Städtebilder charakteristische Gewirr von Dächern und Giebeln fehlt. Statt dessen: mächtige Häuserfronten, die oben gerade abschließen. Maßgeblich für diese Bauweise war die Feuersicherheit. Trotzdem fiel 1663 die halbe Stadt, vom Salzburger Tor bis zur Pfarrkirche, einem Stadtbrand zum Opfer, wobei 58 Häuser niederbrannten.
1816, bei der Neufestlegung der Landesgrenzen, verlor Laufen sein Hinterland. Eine Brücke, die Grenze zwischen Österreich und Bayern, ist heute zwar schnelle Verbindung zum Nachbarn, doch sie schnitt Oberndorf von Laufen ab. Einige Jahrzehnte später ein zweites Handicap für die einst blühende Wirtschaft dieser Stadt: der Eisenbahnbau. Er machte die Salzachschifffahrt überflüssig.
Freilassing
Von der ersten Erwähnung von 1127 im Urkundenbuch von St. Peter in Salzburg als „Frilaz" (Frilaz - Freilassung - Freilasung - Freilassing = freie Weide) brachte es der Ort bis zum Jahre 1832, also innerhalb sieben Jahrhunderte, auf 16 Häuser. Es gab keine Kirche, keine Schule, nicht einmal ein Wirtshaus, nur eine Schmiede, und sie gehörte, wie Freilassing auch, zu Salzburghofen, dem geschichtsträchtigen fränkischen Königsgut, das 1832 immerhin 40 Häuser besaß.
Das Jahr 1860 war die Zäsur in der Geschichte des auf "freier Weide" entstandenen Weilers: mit der Eröffnung der Bahnlinie München-Salzburg, scherzhafterweise "Sissy-Bahn" genannt, wegen der zwischen Wien und Possenhofen hin- und herreisenden Kaiserin Elisabeth von Österreich. 1866 folgte die Linie Freilassing-Reichenhall, 1890 Freilassing-Laufen und 1908 Freilassing-Mühldorf.
Eisenbahner und Bahnbeamte siedelten sich an, aber auch Industriebetriebe entstanden: eine Feigenkaffee-Fabrik, ein Parkettwerk, ein Dampfsägewerk und andere holzverarbeitende Betriebe. Sie ließen den Ort sprunghaft anwachsen. 1919 hatte er 3600 Einwohner, 1923 wurde er in "Freilassing" umbenannt, 1945 hatte er bereits 5000 Einwohner. 1970 überschritt Freilassing die Zehn- und 1990 die Fünfzehntausendergrenze.
Nicht nur die Einwohner, auch die Industriebetriebe nahmen zu. Freilassing entwickelte sich zur Industriestadt. Dabei gewinnen Elektronik und Computertechnologie mehr und mehr an Bedeutung.


































Rupertiwinkel Geschichte historisch
http://www.berchtesgadener-land.com/de/rupertiwinkel/












